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© Christian Hofer

Im Gespräch: Sebastian Martinez

3. März 2010 | Kampfmannschaft zur Übersicht >

Sebastian Martinez hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Seine fußballerischen Wurzeln sind südamerikanische, mit Rapid war er Meister und in der Champions League, und jetzt ist er bei der Vienna angelangt. Der 32-jährige über seinen bisherigen Weg, andere Fußballmentalitäten und was er vor 12 Jahren auf der Hohen Warte gemacht hat.

Hallo Sebastian! Herzlich willkommen bei der Vienna. Erzähl uns bitte von deinem fußballerischen Werdegang.

Ich bin wegen meinem Vater (Alberto Martinez spielte zwischen 1973 und 1985 bei Austria Wien, Sportklub, VÖEST, Las Palmas - unter dem späteren Vienna-Trainer Walter Skocic - und FavAC) schon mit einem Jahr in der Fußballkabine gewesen. In der Zeit als mein Vater beim FavAC gespielt hat, habe ich dort bei den Mini-Knaben begonnen. Der FavAC war also mein erster Verein.

Nachdem er die Karriere in Österreich beendet hat, ist die ganze Familie nach Uruguay übersiedelt. Dort, in Rocha, das ist die Hauptstadt der Provinz Rocha, die im Landesinneren östlich von Montevideo liegt, habe ich dann mit 15 in der Kampfmannschaft von Nacional Rocha debütiert. Das Niveau lag in etwa in dem Bereich zwischen Landesliga und Regionalliga in Österreich. Mit 18 bin ich dann in die zweite Liga Uruguays zu Juventud de Las Piedras gewechselt, das war mein erstes Jahr als Profi, und ich konnte viel lernen was das Profigeschäft angeht. Dort wurde dann der größte Verein des Landes – Nacional Montevideo – auf mich aufmerksam und hat mich für die Reserve geholt. Ich konnte auch immer wieder mit der Kampfmannschaft mittrainieren. Nachdem ich aber nicht so viel zum Zug gekommen bin, auch wegen Pech mit Verletzungen, bin ich zu einem Drittligaverein mit Aufstiegsambitionen gewechselt um Spielpraxis zu sammeln.

Ja, und dann bin ich schon nach Österreich gekommen. Wörgl, Rapid, Ried, Wiener Neustadt und jetzt die Vienna.

Warum bist du nach Österreich gekommen? War das deine Initiative?

Ja, es war so ein Knackpunkt. Mache ich weiter mit Fußball oder studiere ich oder mache ich etwas ganz anderes? In der Zeit als ich in der Reserve von Nacional Montevideo war, habe ich ein Probetraining bei der Austria absolviert, Trainer war der heutige Teamchef Constantini, und war auch drei Tage bei der Vienna unter Walter Skocic.

Das heißt, du wärst damals schon fast bei der Vienna gelandet.

Nicht unbedingt, aber Skocic wollte mich sehen, weil ich ja eine Woche bei der Austria war und gute Eindrücke hinterlassen habe. Sie wollten was machen mit mir und dass ich hier bleibe, es hat aber leider nicht geklappt. Die Eindrücke sind aber geblieben und der Kontakt mit Didi Constantini war vorhanden und irgendwann hat er mich angerufen und gesagt, dass Wörgl Interesse hätte und ich habe dort einen Vertrag für sechs Monate bekommen mit der Option auf zwei weitere Jahre. Mitfinanziert hat diese 6 Monate der ehemalige Austria-Präsident Leopold Böhm, der meinen Vater sehr gemocht hat. In Wörgl hab ich in 2 1/2 Saisonen über 80 Spiele gemacht und an die 40 Tore. Dann ist mein Vertrag ausgelaufen, ich war frei und Rapid hat zugeschlagen. Bei Rapid war ich dann drei Jahre und...

...du bist Meister geworden...

...und habe Champions-League gespielt, es war meine schönste Zeit im Fußball. Dann kam ich nach Ried, bin Vizemeister geworden mit dem SV Ried und wir haben zweimal die direkte Qualifikation für den UEFA-Cup geschafft. Dann habe ich mich im zweiten Jahr bei Ried gleich im ersten Trainingsspiel ohne Fremdeinwirkung am Kreuzband verletzt, nachdem ich - glaube ich - eine sehr gute Saison gespielt habe. Ich bin aber schnell wieder zurückgekommen und habe fünf Monate nach der Operation wieder ein Pflichtspiel bestritten. Aber ich war kein billiger Spieler für Ried und dann kam Georg Zellhofer als Trainer, der schon ein Grund war weshalb ich von Rapid weggegangen bin. So war schnell klar, dass ich nicht mehr mit Ried weiterarbeiten werde. Dann war ich zweieinhalb Monate vereinslos, die Angebote, die ich bekommen habe waren eher uninteressant, und Dank der Vienna konnte ich mich fithalten und das Mannschaftstraining mit absolvieren. Da ist die ganze Verbindung zum Verein dann so richtig entstanden.

Deine Frau hat auch bei der Vienna gearbeitet.

Ja, meine Frau hat damals Koordinationstraining mit dem Nachwuchs gemacht. Ich habe auch einen Freund, der damals mit den Jugendmannschaften der Vienna gearbeitet hat.

Dann kam für mich das Angebot von Wiener Neustadt, wo ich einen großen Teil dazu beitragen konnte dass der Verein in die Bundesliga aufgestiegen ist. Ich hatte dann das Gefühl, dass ich in der Bundesliga nicht zu sonderlich vielen Einsätzen kommen würde, wollte aber mit der Mannschaft unbedingt noch ein paar Spiele in der obersten Klasse bestreiten und habe deswegen im Sommer nur für sechs Monate unterschrieben.

Und das ist meine ganze Fußballgeschichte.

Würdest Du sagen, du hast das Fußballspielen eher in Europa gelernt oder in Südamerika?

Wenn man bedenkt, dass ich in Urugay die prägenden Jahre – die Kindheit, die Jugend – verbracht habe, dann ist klar, dass es Südamerika ist.

Wie unterscheiden sich die Herangehensweisen zwischen den beiden Fußballwelten?

Es ist ganz klar, dass der Stellenwert von Fußball in Südamerika ein höherer ist. Der Konkurrenzkampf ist ein ganz anderer. Uruguay hat dreieinhalb Millionen Einwohner und dreieinhalb Millionen Teamchefs. Du darfst dich auch nicht ausruhen, weil es gibt viele Leute, für die Fußball einen sozialen, wie auch einen finanziellen Wert hat. Es ist eine der wenigen Chancen, die die ärmeren sozialen Schichten haben, um aufzusteigen.

Was in Österreich nicht der Fall ist.

So ist es. Jedes Land hat seine eigene Fußballmentalität. Ich bin der Meinung, dass Fußball die Gesellschaft in der er stattfindet widerspiegelt.

Woran mangelt es dann bei uns?

Ich glaube, dass man in Österreich sehr viel arbeiten sollte an Nachwuchs und Strukturen. Ich glaube, dass man da in Österreich ein paar Jahre in der Entwicklung verschlafen hat. Dass man sich ausgeruht hat in den 80er und 90er-Jahren, wo die Erfolge der älteren Generation noch präsent waren.

Siehst Du Tendenzen, dass jetzt die richtigen Schritte gesetzt werden um aufzuholen?

Man sieht einen gewissen Willen, ja. Ob das die richtigen Schritte sind, werden wir in ein paar Jahren sehen. Die Schweiz hat das auch erlebt, nur ein paar Jahre früher erkannt und die ersten Ergebnisse haben sich ja schon eingestellt. Aber es wird auch immer schwieriger für kleine Nationen sich im Großkonzert Fußball richtig zu etablieren. Es gibt immer wieder Ausnahmen, aber die, die den Fußball beherrschen, sind mehr oder weniger immer noch die gleichen wie vor zehn Jahren.

Zurück zur Vienna. Was ist im Frühjahr noch für den Verein möglich und was kannst du dazu beitragen, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden?

Auf jeden Fall kann ich mit meiner Erfahrung helfen. Ich habe mit Wörgl jedes Jahr um den Abstieg gespielt, ich kenne die Liga, ich kenne den österreichischen Fußball und ich kann meine Erfahrung, meinen Einsatz und meinen Willen einbringen.

Der Klassenerhalt ist unser primäres Ziel. Ich glaube, dass die Vienna eine Liga weiter nach oben gehört, aber das werden wir sehen. Auf jeden Fall muss man sich jetzt etablieren, das erste Jahr ist immer schwer. Man muss professioneller denken. Man glaubt vielleicht nicht, dass das einen Unterschied macht zwischen Regionalliga und Erste Liga, aber es ist ein Unterschied. Es ist ganz klar, dass die Mannschaft das Potential hat, jetzt muss man es umsetzen. Wir haben in jedem Fall lange trainiert, damit wir das schaffen.

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Rückrunde!