Zu der Heimpremiere durfte die Vienna mit dem SC Ritzing einen der Titelkandidaten auf der Hohen Warte begrüßen. Wie jedes Jahr stellen die Burgenländer wieder einen Kader gespickt mit Routiniers und Spielern die auch eine Stufe höher durchaus eine Rolle spielen können, zudem hielten sich die Mutationen im Kader in der Sommerpause in Grenzen. Das und auch der recht deutliche Sieg im Cup gegen den Wiener Sportclub waren Warnung genug, dass hier einer der schwersten Herausforderungen der Saison auf unsere Spieler wartete. Die große Unbekannte, für den SC Ritzing bedeutete dieses Spiel der Saisonauftakt, sie waren in Runde 1 spielfrei, haben sie ähnlich der letzten Saison, Mühe in die Gänge zu kommen?
Auch aus Sicht der Vienna ist es gar nicht so vermessen von einem Saisonauftakt zu sprechen, stand doch das erste Spiel im Zeichen von sehr schwierigen Bedingungen, die einem von Trainer Kleer gefordertem gepflegten Fußballspiel gar nicht förderlich waren. Die Punkte drohten im wahrsten Sinne des Wortes davon zu schwimmen, mit Kampf und Wille konnte wenigstens ein Punkt noch gerettet werden. Die Bedingungen heute an diesem Abend deutlich besser, ja fast schon optimal.
Die Aufstellung war vom System her ähnlich wie beim ersten Spiel, jedoch war Krisch wieder fit, somit rückte Stehlik nach außen, zudem stand Lenko statt Rajic und Kostic statt Gökcek in der Startelf.
Bevor man noch so richtig die taktischen Ausrichtungen der Teams erkennen konnte stand es nach 6 Minuten 2-0. Mit dem ersten Angriff spielte Kostic auf Schibany, der schon aus recht spitzem Winkel das Leder an Safar zum 1-0 vorbeischob. Klar ersichtlich war der Wille zu aggressivem Pressing, was sich bereits in der 6. Minute bezahlt machte. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld wurde Schibany von Keles in der Mitte schön bedient. Ein Gegenspieler musste noch ausgetanzt werden, an Safar vorbei landete der Ball zum 2-0 im Netz.
In der Folge übernahmen die Gäste mehr die Initiative, nach etwa 10 Minuten kam Witteveen erstmals in gefährliche Abschlussposition, sein Schuß wurde aber erfolgreich abgeblockt. Etwa 10 Minuten später wurde es richtig brenzlig, abermals wurde Witteveen von Plank in Szene gesetzt, er schob den Ball auch an Kostner vorbei, Krisch konnte den Ball jedoch noch vor der Linie abfangen. Ritzing versuchte Akzente zu setzen, die Heimelf antwortete aber mit schönen Gegenzügen. Eine Vorlage von Kurtisi auf Schibany war etwas zu steil, kurz darauf kam Lenko über die linke Seite, Pass zur Mitte, diesmal scheiterte Schibany an Safar, Kurtisis Rebound wurde von einem Verteidiger per Kopf geklärt. Gleich in der nächsten Aktion setzte sich Schibany auf der linken Seite durch, der Pass zur Mitte wurde aber von Safar abgefangen.
Hatte man ab der 10. Minute kurze Zeit das Gefühl, dass die Vienna im Mittelfeld nicht kompakt genug steht, oder aus anderer Sichtweise schlichtweg nicht energisch genug zur Sache ging, so konnten die Blau-Gelben dank der schönen und gefährlichen Spielzüge und entsprechend energischerem Zweikampfverhalten zusehends das Spiel wieder unter Kontrolle bringen. Neben den zuvor erwähnten Chancen gab es noch einige weitere schöne Aktionen zu sehen, die aber letztlich von der gegnerischen Abwehr abgefangen wurden.
Just in dieser Zeit konnte es Ritzing aber wieder spannend machen. Plank enteilte nach einem steilen Pass der Verteidigung. Kostner und Katzer waren beim Versuch das Ärgste zu verhindern zu ungestüm. Die Folge: Elfmeter und Gelb für Katzer, Sara verwertete den Penalty in der 40. Minute souverän zum Anschlusstreffer.
Die letzte Chance der ersten Hälfte hatte wieder die Vienna, nach einem Freistoß von der linken Seite kam Kostic an der Strafraumgrenze zum Schuss, es wurde mehr ein Schupfer auf den Kopf von Sütcü. Safar konnte das Leder noch spektakulär über die Latte drehen.
Die zweite Hälfte begann zunächst nicht so schwungvoll. Zum einen fehlte die letzte Präzession, zum anderen griffen die Spieler im Abwehrverhalten vermehrt auf rustikale Mitte zurück, somit häuften sich die Foulpfiffe von Referee Seizer. Grundsätzlich blieb aber der Spielcharakter unverändert, die Vienna war tonangebend. So hatte Kurtisi in der 53. Minute das 3-1 am Fuß. Safar war bereits geschlagen, Yatsuzuka rettete jedoch mit letztem Einsatz. Gleich darauf war der Ball wohl im Netz, der Kopfballtreffer von Kurtisi zählte aber wegen eines Stürmerfouls nicht. Das Spiel nahm wieder Fahrt auf, der SC Ritzing wollte den Ausgleich, die Vienna indes versteckte sich nicht und war keineswegs nur auf Verteidigen aus.
In der 62. Minute wurde Wolf bei einem Angriff der Ritzinger nicht konsequent gestört, er riskierte einen Schuss aus gut 25 Meter und traf genau ins Kreuzeck zum 2-2.
Die Gäste nutzten sofort die Gunst der Stunde, in der 67. Minute stiftete der nächste nennenswerte Angriff Verwirrung in der Blau-Gelben Hintermannschaft, der aufgerückte Yatsuzuka, auf der rechten Seite völlig alleine gelassen, wurde von Witteveen bedient und traf mit einem satten Schuss zur Ritzinger Führung.
In der Folge setzte Ritzing auf Konter über ihre schnellen Stürmer, die Vienna drückte auf den Ausgleich. Apropos schnelle Stürmer, Gökcek kam in der 70. Minute für Kostic und hätte gleich darauf beinahe den Ausgleich vorbereitet. Seine gefühlvolle Flanke köpfelte Sütcü knapp am Tor vorbei. In der 77. Minute kam Gökcek nach schönem Zusammenspiel mit Schibany über die linke Seite, abermals eine gute Flanke, der Kopfball von Sütcü ging über das Tor.
Die verstärkte Defensive der Gäste hatte zur Folge, dass für Angriffe in der Mitte wenig Raum zur Verfügung stand und Blau-Gelb daher öfter mit Flanken in den Strafraum agierte, diese aber nur selten richtig gefährlich wurden.
Die Endphase wurde naturgemäß etwas hektisch, neben den üblichen Mätzchen sorgte vor allem eine Großchance für Aufregung. Nach Flanke von Keles brachten sowohl Katzer als auch Gökcek den Ball nicht an Safar vorbei. Eine letzte Flanke von dem eingewechselten Steiner wurde von Safar souverän abgefangen.
Letztlich musste man sich aus Blau-Gelber Sicht über eine angesichts des Chancenplus völlig unnötige Niederlage ärgern. Die Fehler der Defensive wurden von den stets gefährlichen Ritzingern gnadenlos ausgenützt, Chancen für einen Punktegewinn wären zur Genüge vorhanden gewesen. Das Positive, und das hat Trainer Kleer nach dem Spiel auch hervorgehoben: Gegen einen der Topfavoriten der Liga war man über weite Strecken die bessere Mannschaft. Zeitweise wurde wirklich attraktiver Offensivfußball geboten, dessen Früchte man aber auch ernten muss.
Aufstellung Vienna:
Kostner; Stehlik, Krisch(88. Maurer), Katzer, Lenko; Sütcü, Güclü(82. Steiner); Kostic (70. Gökcek), Kurtisi, Keles; Schibany
Torfolge: 1:0 Schibany (1.), 2:0 Schibany (6.), 2:1 Sara (40., Pen.), 2:2 Wolf (62.), 2:3 Yatsuzuka (67.)
Gelbe Karten: Katzer (39. Foul), Güclü (43. Foul), Kostic (65. Foul)
Care Energy Naturarena Hohe Warte, 910 Zuschauer









