28. November 2025 | Nachwuchs zur Übersicht >
Nermin Jusic – Nachwuchsleiter der Vienna
Nermin Jusic hat umfassende Referenzen. Er war als Spieler, Trainer und Vereinsobmann höchst erfolgreich. Zuletzt führte er die SV Donau zum Meistertitel in der Wiener Stadtliga und damit in die Regionalliga. Im Sommer übernahm er bei Vienna die Leitung für den Nachwuchs. Jusic hat konkrete Vorstellungen von der Arbeit mit jungen Talenten und ist für sein strategisches Denken und seine klare Kommunikation bekannt.
Nermin, wann sollte man mit einer Fußballausbildung beginnen?
- So früh wie möglich, am besten schon im Kindesalter. Bei der Vienna gibt es ein Bambini-Training für die Jüngsten und danach Altersgruppen von der U7 bis zur U18. Eine gezielte Ausbildung beginnt bei den Buben in der U8, bei den Mädchen etwas später. Sicher ist, dass das Erlernen einer umfassenden Fußballkompetenz kein Sprint, eher ein Marathon ist.
Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um bei Vienna in das Nachwuchstraining aufgenommen zu werden?
- Das kommt darauf an, welche Fertigkeiten und Erfahrungen das Kind mit dem Ball mitbringt. Die Grundlagen, wie zum Beispiel den Ball annehmen, passen oder dribbeln, sollten schon vorhanden sein.
Kann man sein Kind für ein Probetraining bei der Vienna anmelden?
- Nein, davon sind wir abgekommen. Bei uns gibt es eigene Termine, an denen wir Sichtungstrainings durchführen. Die bieten wir mehrmals im Jahr an, und dabei bewerten unsere Nachwuchstrainer und auch ich die Fähigkeiten der Kids.
Wie ist die Nachwuchsarbeit bei der Vienna aufgestellt?
- Sehr breit. Von der U7 bis zur U18 gibt es eigene Kader. Sie werden von eigenen Trainern geschult, die im Regelfall zwei Jahrgänge betreuen. Bei den Burschen wird ab der U7 dreimal, ab der U13 viermal die Woche trainiert. Die Teams steigen gemeinsam in die nächste Altersgruppe auf. Bei den höheren Jahrgängen gibt es auch Zugänge von anderen Vereinen, und manchmal wechseln auch Nachwuchsspieler der Vienna zu Rapid oder Austria. Die unteren Altersgruppen werden auch geschlechtlich gemischt geführt.
Gibt es bei der Ausbildung der Altersgruppen unterschiedliche Konzepte?
- Ja. Bis zur U15 geht es um die Ausformung der Technik, des Stellungspiels, der Schusskraft usw. Bis zur Pubertät bewerte ich den Stellenwert von Spielen nicht ergebnisorientiert. Die Tabelle sollte nicht im Mittelpunkt stehen. Es geht bei jungen Heranwachsenden vorerst um die Entwicklung der fußballerischen Kompetenzen. Erst in der Pubertätsphase – etwa ab 16 Jahren – spielen leistungsorientierte Faktoren eine Rolle. Dann sind Ehrgeiz, Erfolge und Siege ein wichtiger Teil der Ausbildung.
Du bist seit Juli bei der Vienna. Wie schaut dein Tag aus?
- Ich bin noch am Sortieren und Entwickeln. Ich bin beinahe täglich bei den Nachwuchstrainings und tausche mich mit den Trainern aus. Wir analysieren die Entwicklung der Spieler, reden über die Zusammenstellungen der Kader und auch über Verbesserungen. Ganz wichtig ist dabei die Beobachtung der Spieler, die an der Grenze zum Profifußball stehen. Das alles bespreche ich mit den Trainern und mit der sportlichen Leitung.
Was ist dein großes Ziel bei der Nachwuchsarbeit?
- Das Fundament, um beim Nachwuchs noch professioneller zu arbeiten, wäre eine Vienna-Fußballakademie, wie es sie auch bei anderen Bundesligavereinen gibt. In einer Akademie können die jungen Talente ihre sportliche Karriere mit der schulischen verbinden. Leistungssport und Matura gehen dabei Hand in Hand. Eine Win-win-Situation für die Jungs und für den Verein.
Es gibt auch jetzt schon Kooperationsverträge mit Schulen, die den Nachwuchsspielern bei der sportlichen Ausübung entgegenkommen, aber eine eigene Ausbildungsakademie ist noch ein Niveau darüber. Die Umsetzung der großen Ziele hängt eng mit den Erfolgen der Kampfmannschaft zusammen. Steigt die Vienna in die erste Bundesliga auf, würden sich viele Türen öffnen. Dann steigen die Zuschauerzahlen, die Berichterstattung, die gesamte Reputation und damit auch die finanziellen Zuwendungen.
Was macht dir bei deiner Arbeit besondere Freude?
- (Lacht) Ich habe schon viel Freude beim Fußballsport erlebt. Ich wurde als Spieler mit Rapid U20-Meister und bekam bei Rapid einen Profivertrag. Das war mein Höhepunkt als Spieler. Mit der SV Donau wurde ich als Trainer vorige Saison Meister, worauf ich auch stolz bin. Meine Verbindung zu Donau ist noch immer sehr eng. In der Nachwuchsarbeit ist für mich ein großer Erfolg, wenn Spieler zum Beispiel in einer U10-Mannschaft mit dem Fußballspielen beginnen, sich gut entwickeln und sie es am Ende in die Profiliga schaffen. Das ist dann eine große Genugtuung. Ich bin sicher, wenn man das Fundament gut legt, kann man auch Türme bauen.







