10. Februar 2026 | Frauen zur Übersicht >
„Jung, wild, strukturiert“ – Frauentrainer Mark Dobrounig über den Weg der Vienna-Frauen
Bevor für unsere Frauen am Samstag mit dem ÖFB-Frauencup-Viertelfinale gegen SK Sturm Graz in Hirschstetten (WFV-Anlage Hirschstetten, 16 Uhr) das erste Pflichtspiel im neuen Jahr ansteht, haben wir Cheftrainer Mark Dobrounig zum ausführlichen Gespräch gebeten. Er spricht über den Umbruch, die Fortschritte seit dem Herbst und die Ambitionen für das Frühjahr.
Mark, wenn du auf den Herbst zurückblickst, wie würdest du die Saison bisher zusammenfassen?
- Wie jedes Jahr mussten wir im Sommer einen größeren Umbruch bewältigen und wichtige Spielerinnen ersetzen. Es hat etwas gedauert, bis wir uns als Team gefunden haben. Es waren viele gute Spiele dabei, in denen wir uns leider nicht belohnt haben. Oft haben Kleinigkeiten oder Details den Ausschlag gegeben, sodass die Ergebnisse nicht für uns gesprochen haben.
Du hast es bereits angesprochen, die Saison war von einem großen Umbruch geprägt. Wie herausfordernd ist es, immer wieder Stabilität reinzubekommen?
- Ein Umbruch bedeutet immer, neue Persönlichkeiten zu integrieren, die nicht nur zur Spielidee, sondern auch zur Identität des Teams passen. Viele Prozesse greifen ineinander, um Jahr für Jahr eine funktionierende Mannschaft zu formen. Unser Spielstil ist es eine Struktur zu geben, in der man sich ausleben und kreativ sein kann. Bis da immer alle Details zusammenspielen, braucht es Zeit und Geduld. Diese Geduld bringen wir definitiv mit.
Wo siehst du seit Sommer die größte Entwicklung im Team?
- Die größte Entwicklung sehe ich neben dem Platz. Rückschläge bringen uns nicht mehr so leicht aus der Bahn. Wir bleiben mit dem Fokus im Moment und versuchen die Vergangenheit ruhen zu lassen und in der Gegenwart zu bleiben.
Die Vienna gilt als Sprungbrett für junge Talente. Überwiegt dabei eher Stolz oder manchmal auch der Druck, ständig neu aufbauen zu müssen?
- Der Frauenfußball wird immer schnelllebiger, und man muss entscheiden, ob man diesen Weg mitgehen will und kann. Wir verstehen uns klar als Ausbildungsverein. Wenn Spielerinnen den Sprung ins Ausland schaffen, erfüllt uns das mit Stolz, weil es zeigt, dass wir ihnen die richtige Bühne für ihre Entwicklung bieten konnten. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass wir sie nach ihrer Entwicklung auch noch eine gewisse Zeit bei uns behalten können.
Im Winter konntet ihr mit Vivien Grabenhofer und Linnea Strömberg zwei junge Spielerinnen holen. Welche Impulse und Qualitäten sollen sie ins Team bringen?
- Vivien bringt für ihr Alter eine enorme Ruhe und Gelassenheit mit und strahlt große Sicherheit aus. Linnea ist eine sehr kreative Spielerin, die Lösungen sucht, ihre Mitspielerinnen gut einsetzen kann und eine starke Übersicht hat. Wir freuen uns sehr, dass wir beide von unserem Weg überzeugen konnten und sie jetzt für uns spielen.
Gleich zum Start wartet das Cup-Viertelfinale gegen Sturm Graz, ist das eher Bonusspiel oder echte Titelchance?
- Für uns ist jedes Spiel eine Titelchance. Wir wollen uns immer beweisen und unsere Leistung auf den Platz bringen. Den Bewerb sehen wir klar als echte Chance und setzen alles daran, den Titel dieses Jahr zu holen.
Was braucht es gegen so einen Gegner, um für eine Überraschung zu sorgen?
- Es benötigt keine Überraschung. Wir waren in allen Duellen das bessere Team. Es gilt gemeinsam als Team fokussiert zu bleiben und konsequent zu sein, dann werden wir dieses Spiel auch für uns entscheiden.
Kann ein Erfolgserlebnis in so einem Spiel dem gesamten Frühjahr einen Schub geben?
- Jedes positive Ergebnis bringt Energie. Natürlich wollen wir den Start nutzen, um Selbstvertrauen aufzubauen und einen guten Lauf zu entwickeln.
Eine Woche später geht’s zuhause gegen Neulengbach weiter: Wie entscheidend ist ein guter Start in die Liga für die Moral?
- Ein guter Start ist enorm wichtig. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, sind wir überzeugt, Neulengbach zu schlagen. Das würde uns zusätzliches Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf geben.
Wofür soll deine Mannschaft im Frühjahr stehen, was soll man sehen, wenn man die Vienna spielen sieht?
- Wie immer: jung, wild und gleichzeitig strukturiert, mit viel Raum für Kreativität. Wir wollen unsere Chancen konsequenter nutzen und insgesamt erfolgreicher sein. Außerdem möchten wir ein Gegner sein, gegen den niemand gerne spielt.
Was treibt dich persönlich als Trainer gerade in so einer Aufbauphase besonders an?
- Mich begeistert es, die Entwicklung der Spielerinnen zu begleiten, unterschiedliche Charaktere zusammenzuführen und zu sehen, wie daraus ein echtes Team wächst.
Gibt es eine Eigenschaft, die du dir von deinem Team wünschst, die man nicht trainieren kann?
- Mentale Stärke, was für mich bedeutet Rückschläge wegzustecken, im Moment zu bleiben und Vergangenes sofort loszulassen.
Wie schaffst du es nach intensiven Spielen oder bitteren Niederlagen abzuschalten?
- Mir persönlich hilft es Musik zu hören, mich mit Menschen zu umgeben, wo Fußball kein Thema ist und man andere Dinge im Leben betrachtet.
Warum sollten die Fans gerade jetzt besonders ins Stadion kommen?
- Die Fans werden ein Team sehen, das zusammenhält, füreinander kämpft und die Werte des Vereins lebt. Eine Mannschaft, die niemals aufgibt und jeden Moment gemeinsam bestreitet.
Warum kann dieses Frühjahr ein richtig gutes für die Vienna werden?
- Wenn wir unsere Leistungen konsequent in positive Ergebnisse ummünzen, ist sehr viel möglich.
Zum Abschluss: Welche Botschaft möchtest du deinem Team und den Fans mit auf den Weg geben?
- Wir brauchen euch! In guten wie in schwierigen Zeiten. Wir sind stolz auf eure Unterstützung und wollen euch bei jedem Spiel etwas zurückgeben und gemeinsam Erfolge feiern.








