24. Februar 2026 | Amateure zur Übersicht >
Die Tür nach oben steht offen: Gökce Tuna über die Amateure
Mit viel Leidenschaft, klarer Philosophie und einem kompromisslosen Fokus auf Entwicklung junger Spieler geht Trainer Gökce „Göki“ Tuna mit den Amateuren in die Frühjahrssaison. Nach einem starken Herbst und einer erfolgreichen Vorbereitung , zieht der Coach ein durchwegs positives Zwischenfazit. Im Interview spricht Göki über die Entwicklung seiner Mannschaft, die Bedeutung der Amateure als Sprungbrett zur Kampfmannschaft und darüber, warum Lernbereitschaft und Mut für ihn wichtiger sind als kurzfristige Ergebnisse.
Göki, wenn du auf den Herbst zurückblickst, wie fällt dein Fazit zur bisherigen Saison aus?
- Das Fazit fällt positiv aus. Wir haben im Sommer die Mannschaft erneut verjüngt. Dass wir trotz dieser Umstellung so stabil in der Stadtliga performt haben und Tuchfühlung zur Spitze halten, zeigt die Qualität der Jungs. Wir haben attraktiven, dominanten Fußball gespielt, auch wenn uns manchmal noch die letzte Kaltschnäuzigkeit gefehlt hat.
Wo hast du die größten Entwicklungsschritte der Mannschaft gesehen?
- Vor allem in der Spielreife. Wir haben gelernt, Spiele zu kontrollieren und uns von der körperlichen Gangart im Erwachsenenfußball nicht einschüchtern zu lassen. Wir haben sehr vielen jungen Spielern Einsatzzeit gegeben, und die Entwicklung verlief in allen Bereichen sehr gut.
Die Vorbereitung verlief bisher erfolgreich (6 Spiele, 6 Siege). Wie bewertest du die vergangenen Wochen?
- Die Vorbereitung hat gezeigt, wie gut uns diese Vorbereitungszeit getan hat. Wir agieren viel besser gegen den Ball und sind auch mit dem Ball reifer als noch im letzten Jahr. Die jungen Spieler konnten durch die vielen Spielminuten schnell adaptieren und sich an das Niveau gewöhnen.
Gab es in der Vorbereitung einen Moment, der besonders aussagekräftig war?
- Es war eher die Konstanz als der eine Moment. Dass wir gegen gestandene Mannschaften jedes Spiel gewinnen konnten, zeigt, dass die Jungs verstanden haben: Man muss in jeder Partie 100 % geben – egal ob Test- oder Pflichtspiel.
Der Kader wurde im Winter bewusst verjüngt. Wie hast du die Integration der neuen Spieler erlebt?
- Das verlief völlig reibungslos. Viele kommen aus unserem eigenen NWZ und kennen die Philosophie bereits. Die meisten haben schon in der U18 zusammengespielt. Auch die externen Neuzugänge, Samet Kurt und Lukas Zagan, haben sich sehr schnell integriert und wurden vom Team hervorragend aufgenommen.
Welche Qualitäten bringen die Nachwuchsspieler mit, und woran müssen sie noch arbeiten?
- Technisch und taktisch sind sie hervorragend ausgebildet, dazu bringen sie viel Tempo und Unbekümmertheit mit. Arbeiten müssen wir noch an der Robustheit und der Entscheidungsfindung unter Druck, das kommt aber nur durch die nötige Spielpraxis bei den Erwachsenen.
Wie wichtig ist es für junge Spieler, früh Verantwortung zu übernehmen?
- Es ist entscheidend, sie zum richtigen Zeitpunkt heranzuführen. Wir wägen genau ab, ob ein Spieler schon bereit ist. Manchmal lassen wir sie bei uns schnuppern, und wenn es noch nicht ganz reicht, trainieren sie wieder bei der U18 mit, um später gestärkt zurückzukehren. Dabei kommunizieren wir immer klar, woran sie noch arbeiten müssen.
Mehrere ehemalige Amateurspieler haben zuletzt den Sprung in die Kampfmannschaft geschafft. Welche Wirkung hat das auf das Team?
- Das macht uns als Trainerteam stolz und ist die beste Werbung für unsere Arbeit. Wenn die Jungs sehen, dass ein Teamkollege plötzlich oben dabei ist, motiviert das ungemein. Es beweist: Die Tür nach oben steht offen.
Wie motivierend ist es zu sehen, dass der Weg nach oben greifbar ist?
- Es ist der Treibstoff für jedes Training. Jeder Spieler weiß, dass er unter Beobachtung steht. Das Ziel ‚Kampfmannschaft‘ ist bei der Vienna kein ferner Traum, sondern ein konkreter Plan.
Was macht die Amateure als Entwicklungsplattform besonders wertvoll?
- Wir sind das Bindeglied. Wir bieten top Training und eine klare Philosophie in einer physisch fordernden Liga. Dass das Tempo bei den Profis nochmals höher ist und die Zweikämpfe härter sind, ist klar. Aber man sieht an Spielern wie Felix Nagele, Vincent Zeidler oder Santino Pistrol, dass es mit etwas Zeit hervorragend funktioniert. Es freut uns Trainer riesig, wenn unsere Jungs oben ihre Chance bekommen, wie es zuletzt oft der Fall war.
Woran habt ihr in der Vorbereitung spielerisch besonders gearbeitet?
- Der Fokus lag auf der Ruhe im Ballbesitz und dem Verhalten nach Ballverlusten. Offensiv haben wir an der Effizienz gefeilt, um uns für den Aufwand öfter zu belohnen. Zudem haben wir an der Variabilität unserer Abläufe gearbeitet, um unberechenbarer zu werden.
Welche Prinzipien sollen die Mannschaft tragen?
- Mut, Dominanz und Aggressivität. Wir wollen den Ball haben und den Gegner durch ein intensives Spiel permanent stressen.
Wie gehst du damit um, wenn Entwicklung wichtiger ist als kurzfristige Ergebnisse?
- Das ist mein Job. Je jünger die Mannschaft, desto stolzer macht es mich, wenn wir gut spielen – unabhängig vom Ergebnis. Ich verspüre keinen Druck von Vereinsseite und kann daher mutige Entscheidungen treffen.
Mit Slovan HAC wartet zum Auftakt ein erster Gradmesser. Was erwartest du?
- Auswärts bei Slovan ist es nie einfach, der Platz ist oft rutschig und sie haben erfahrene Routiniers in ihren Reihen. Wir hoffen auf Fußball-taugliches Wetter. Wenn die Jungs sich keinen unnötigen Druck machen, nur weil es jetzt ein Pflichtspiel ist, bin ich überzeugt, dass wir die drei Punkte holen.
Was wäre für dich ein gelungener Start, unabhängig vom Resultat?
- Ein gelungener Start ist, wenn die Jungs jedes Spiel als Chance zur Weiterentwicklung begreifen. Ich mag es nicht, wenn die Zeit am Platz nicht genutzt wird, weil der Fokus fehlt. Dann sage ich ihnen auch direkt: Geht lieber mit der Freundin ins Kino oder verbringt Zeit mit der Familie. Die Frühjahrssaison hat noch 14 Spiele, wer da zwei verschläft, 2-mal krank oder verletzt ist und 2-mal nicht von Beginn an startet, verpasst fast 50 % seiner Möglichkeiten. Wir wollen in jedem Training und jedem Spiel das Maximum herausholen und das versuchen wir unseren Jungs tagtäglich zu vermitteln.
Was macht dir aktuell am meisten Freude an der Arbeit?
- Die Lernbereitschaft und der Zusammenhalt. Die Truppe saugt alles auf, es gibt kein Jammern, nur Vollgas. Diese Energie ist ansteckend. Wenn wir das beibehalten, wird es eine großartige Saison mit vielen positiven Überraschungen.
Worauf bist du in dieser Phase besonders stolz?
- Wie wir im Moment zusammenhalten und Fußball spielen und auf die Entwicklung der Einzelnen. Zu sehen, wie ein junger Bursche im Sommer kommt und im Februar wie ein gestandener Stadtliga-Spieler auftritt oder sogar bei den Profis debütiert, das ist das schönste Lob für unsere tägliche Arbeit.







