5. August 2026 | Verein zur Übersicht >
Erwin Gruber – die Stimme der Hohen Warte
Noch bevor ein Heimspiel der Vienna angepfiffen wird, ist man schon mit Musik und Informationen auf das Spiel eingestimmt. Die Zuschauer werden begrüßt, das Gästeteam wird vorgestellt, und die Aufstellungen und das Schiedsrichterteam werden bekanntgegeben. Die Spannung vor dem Spiel steigt. Das ist nicht zuletzt Erwin Gruber zuzuschreiben. Er macht mit Eloquenz und Mikrofon Stimmung im Stadion. Dabei kooperiert er mit seinem Sohn, der die Musik auswählt und die Werbespots einspielt. Ein routiniertes Team.
Erwin, die Jobdeskription eines Stadionsprechers ist, zu informieren und zu unterhalten. Kann man dabei immer neutral bleiben?
- Natürlich nicht, denn ich freue mich immer über ein Tor von der Vienna. Über ein Tor der Gäste „informiere“ ich nur. Meine Ansagen dazu müssen aber immer unparteiisch sein. Das gebietet die Fairness und das Regelwerk der Bundesliga. Selbstverständlich bin ich bei einem Tor unserer Mannschaft lauter und leidenschaftlicher. Die Euphorie wird dann auch durch die Torfanfare „Yes Sir, I Can Boogy“ untermalt. Bei Gegentoren gebe ich nur den neuen Spielstand und den Torschützen bekannt. Auch Ermahnungen an die Fans, wenn Feuerwerkskörper gezündet werden, gestalte ich nicht provokant oder drohend. Das ist nicht mein Stil, und damit bin ich auf der Hohen Warte immer gut gefahren.
Als Stadionsprecher bist du Informant, Unterhalter und Motivator. Wie bereitest du dich auf den Matchtag vor?
- Trotz aller Routine bereite ich mich auf jeden Spieltag gewissenhaft vor. Ich informiere mich vor dem Match über die gegnerische Mannschaft, über etwaige Gratulationen oder Verabschiedungen, studiere den Spielkalender für die Teams der Vienna oder erkundige mich auch über Aktionen im Fanshop. Eine Stunde vor Spielbeginn bekomme ich die Mannschaftsaufstellungen und starte rund 45 Minuten vor Matchbeginn mit der Moderation. Mein Job besteht aber nicht allein darin, auf ein Heimspiel einzustimmen. Ich mache nach dem Spiel Interviews, moderiere auch andere Veranstaltungen der Vienna und halte Kontakte zur Mannschaft, zu den Funktionären und zu den weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klubs.
Moderatoren informieren, unterhalten, führen Interviews und lenken Gesprächsgruppen. Wie bist du Moderator geworden?
- Mich hat der Bereich der Kommunikation immer schon interessiert. Ich war früher DJ bei Feiern, habe Musik auf Kassetten moderiert und war dann u.a. über 20 Jahre in Linz Court-Sprecher beim Damen-Tennisturnier. Auch beim Wachau-Marathon darf ich seit 2008 zum Mikrofon greifen.
Nachdem ich Seminare für Stimmtraining und Sprechtechnik absolviert habe, wollte ich diese Erfahrungen in größerem Rahmen umsetzen und war von 1996 bis 2017 Stadionsprecher bei der Wiener Austria. 2018 kam die Vienna auf mich zu und engagierte mich als Stadionsprecher auf der Hohen Warte.
Seitdem arbeite ich gemeinsam mit meinem Sohn, manchmal auch in Doppelmoderation mit anderen Sprecherinnen und Sprechern, für die Blaugelben.
Du bist nun schon acht Jahre Stadionsprecher beim First Vienna FC. Wie siehst du die Entwicklung des Klubs?
- 2017 konnte die Vienna einen Konkurs abwenden und startete einen Neubeginn in der zweiten Landesliga. Die UNIQA wurde Hauptsponsor des Vereins. Das habe ich nahe miterlebt, da ich bei UNIQA im Sportsponsoring tätig war. Seitdem ging es in Döbling sportlich bergauf und die Vienna hat sich gut entwickelt. Der Verein investiert in den Nachwuchs, hat Frauenmannschaften und auch ein Special Needs Team, das mir besonders am Herzen liegt. Für mich sind auch die Fans etwas Besonderes. Mir gefällt, dass auch immer wieder soziale Projekte gefördert werden. Und die Vienna-Family ist nicht nur ein Schlagwort. Diese familiäre Atmosphäre schätze ich sehr. Und meinen Job als Stadionsprecher mache ich nicht nur gern. Ich mache ihn mit Leidenschaft.
Traust du den Döblingern heuer den Aufstieg in die erste Bundesliga zu?
- (Denkt lange nach) Das Ziel in der letzten Saison war der Aufstieg. Das ist nicht aufgegangen. Jetzt sind die Karten neu gemischt. Mein Wunsch für die kommende Saison ist, dass die Vienna oben mitspielt, und da machen mir die ersten Testspiele Hoffnung. Also: Meine persönliche Sicht für einen Aufstieg ist zwischen realistisch und optimistisch angesiedelt.









